Ä bissel Arzgebirg` in Akron - «Weihnachtswunsch» erfüllt: ab 27. November erster Weihnachtsmarkt in amerikanischer Partnerstadt
Chemnitz (ddp-lsc). Vorbereitungen für typisch erzgebirgische Weihnachtsmärkte
werden in diesen Wochen nicht nur zwischen Altenberg und Zwickau getroffen. Auch
im fernen Akron im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio wird fleißig gezimmert
und gestrichen, damit pünktlich vor dem ersten Advent am 27. November ein Markt
nach deutschem Vorbild eröffnet werden kann. Anders als hier zu Lande dauert er
sogar bis Silvester.
«Wir nehmen eine Mandelbrennerei, Posamenten- und Effektenhersteller,
Holzkunst wie Nußknacker, Räuchermänner, Pyramiden, Schwibbögen und
Spieluhren, Plauener Spitze, Tischdecken und Spielwaren mit», erzählt Angela
Schumann von der Chemnitzer Werbeagentur saxpress GmbH, die mit der Ausrichtung
des Marktes beauftragt wurde. Ein Glasbläser fertige Christbaumschmuck vor den
Augen der Besucher; auch Glühwein und Bier würden ausgeschenkt. Zur Eröffnung
sorge ein Bergmannszug für das typische Flair eines erzgebirgischen
Weihnachtsmarktes. An jedem Adventswochenende würden zudem Künstler und
Sportler das Programmangebot bereichern. So könnten Läufer des Chemnitzer
Eislaufvereins ihr Können auf einer zum Weihnachtsmarkt gehörenden Eisfläche
vorführen. Mit dabei seien auch der Folklore Modern Dance Club und eine
Brass-Band aus Chemnitz. Der Weihnachtsmarkt war ein ausdrücklicher Wunsch der
Verwaltung von Akron seit dem Abschluss des Städtepartnerschaftsvertrages mit
Chemnitz im Jahre 1997. Die Amerikaner hatten das vorweihnachtliche Treiben rund
um das Chemnitzer Rathaus gesehen und für «typical» befunden. Nach
Vor-Ort-Gesprächen wurde in diesem Sommer ein Vertrag zwischen den
Stadtverwaltungen und der Agentur geschlossen. Als erstes gingen danach Baupläne
übern Atlantik, denn ortsansässige Tischler fertigen zehn Markthütten nach
Chemnitzer Vorlage.
«In der Region südlich des Eriesees gibt es nichts Vergleichbares», hat
sich Dietmar Gottwald vom Bürgermeisteramt Chemnitz selbst überzeugt. In der
Region um Akron mit einem ähnlichen Klima wie in Mitteleuropa und einem großen
Anteil deutschstämmiger Bevölkerung werde «Weihnachten wie bei uns»
gefeiert. Außerdem lebten dort zahlreiche ehemals in Deutschland stationierte
US-Soldaten, die diese Tradition kennen und lieben gelernt hätten.
Der Weihnachtsmarkt sei eingebunden in ein Konzept zur Belebung der
Innenstadt von Akron, wo die Menschen im Zuge der Industrialisierung - geprägt
unter anderem vom Reifenkonzern Goodyear - an den Rand zogen. Der Platz befinde
sich in einem gut frequentierten Park, der nach der Einstellung des
Schiffsverkehrs auf dem Kanal von Cleveland nach Canton auf dem Gelände einer
ehemaligen Schleuse angelegt wurde. Laut Gottwald soll der Markt zu einer
wiederkehrenden Veranstaltung mit Produkten aus Sachsen werden. Nächstes Jahr
seien schon 20 Hütten geplant.
Für die kurze Zeit der Vorbereitung ist Angela Schumann mit dem Erreichten
zufrieden, zumal der größte Teil der Kosten von den Teilnehmern selbst
getragen werden muss. «Die Erwartungshaltung der Amerikaner ist groß, aber ich
bin sicher, dass es ein Erfolg wird», sagt die Organisatorin. Am schwierigsten
sei es, Lebensmittel einzuführen. Für die Bratwürste beispielsweise dürfe
der Fleischer nur seine speziellen Gewürze mitnehmen.
Die Erzgebirgische Backwaren GmbH Annaberg-Buchholz verschickt Stollen an
private Kunden in aller Welt, doch Akron ist ihr erster Weihnachtsmarkt in den
USA. Marketingleiterin Karina Friedel hat den zwar nicht teuren, aber extrem
zeitaufwändigen Papierkram für den Stollenversand hinter sich: «Wegen der
Vorkehrungen gegen Bioterrorismus müssen zahlreiche Scheine ausgefüllt und
Nummern eingeholt werden. Jetzt ist das Gebäck per Schiff unterwegs.» Mit 2000
Stück habe sie «etwas ins Leere» geplant. Wenn es gut läuft, ist sie im nächsten
Jahr wieder mit dabei. (www.chemnitz.de; www.saxpress.de)
Quelle: Yahoo Suchmaschine 01.11.2004